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Wiederkehrende bakterielle Vaginose: Warum kommt sie immer wieder?

vor 1 Stunde
6 Min. Lesezeit

Wie bakterielle Vaginose Sexualität, Intimität und das eigene Körpergefühl beeinflussen kann … und warum eine genaue Abklärung wichtig ist


Fast jede Woche sitzt eine Patientin in meiner Praxis in Zürich, den Blick auf ihre Hände gerichtet, ihre Stimme kaum hörbar.


„Ich habe solche Angst, dass er den Geruch bemerkt. Sobald wir versuchen, miteinander zu schlafen, verkrampfe ich mich. Ich achte ständig darauf, ob es weh tut.“

„Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein.“


Ihre Beschwerden sind real. Und auch die Auswirkungen auf Ihre Sexualität können real sein.

Eine bakterielle Vaginose ist häufig und behandelbar. Sie kann aber wiederkehren. Und wenn Beschwerden immer wieder auftreten, ist es wichtig, nicht automatisch davon auszugehen, dass es jedes Mal dieselbe Ursache ist.


Was ist eine bakterielle Vaginose?


Eine bakterielle Vaginose entsteht durch eine Veränderung des vaginalen Mikrobioms.

Die gesunde Vagina wird bei vielen Frauen von verschiedenen Bakterien besiedelt. Eine wichtige Rolle spielen dabei Laktobazillen. Sie tragen unter anderem dazu bei, ein eher saures vaginales Milieu aufrechtzuerhalten.


Bei einer bakteriellen Vaginose nimmt der Anteil bestimmter schützender Laktobazillen häufig ab, während verschiedene anaerobe Bakterien zunehmen. Dazu können unter anderem Gardnerella-Arten, Prevotella, Atopobium vaginae und andere Bakterien gehören. Häufig bilden diese Bakterien gemeinsam einen mikrobiellen Biofilm auf den Vaginalzellen.


Wichtig ist dabei:

Eine bakterielle Vaginose bedeutet nicht einfach, dass man sich ein bestimmtes „fremdes“ Bakterium eingefangen hat.


Auch Gardnerella kann bei Frauen ohne Beschwerden Teil des vaginalen Mikrobioms sein. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Mikroorganismen und die Veränderung des vaginalen Ökosystems.


Eine bakterielle Vaginose wird deshalb häufig nicht als klassische sexuell übertragbare Infektion eingeordnet. Gleichzeitig können sexuelle Aktivität, neue Sexualpartner und fehlende Kondomnutzung mit einem erhöhten Risiko verbunden sein. Das bedeutet nicht, dass ein Partner oder eine Partnerin „die bakterielle Vaginose verursacht“.


Welche Beschwerden kann eine bakterielle Vaginose verursachen?


Typische Beschwerden können sein:

  • ein auffälliger oder fischiger Vaginalgeruch, häufig besonders nach dem Sex

  • dünnflüssiger, weißlich-grauer oder veränderter Ausfluss

  • vaginale Reizung oder ein verändertes Gefühl

  • gelegentlich Beschwerden beim Sex


Allerdings haben nicht alle Frauen mit einer bakteriellen Vaginose Beschwerden.

Und genau deshalb ist die Selbstdiagnose nicht immer einfach.


Geruch, Ausfluss, Juckreiz oder Brennen können bei verschiedenen Erkrankungen auftreten.


Warum kommt die bakterielle Vaginose immer wieder?


Wiederkehrende bakterielle Vaginose ist frustrierend – aber sie bedeutet nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben.


Es gibt nicht immer einen einzigen Auslöser.

Häufig spielen mehrere biologische Faktoren zusammen.


1. Das vaginale Mikrobiom kann sich erneut verändern


Eine Behandlung kann die akuten Beschwerden beseitigen. Danach muss sich das vaginale Mikrobiom jedoch nicht bei jeder Frau dauerhaft in Richtung eines Laktobazillen-dominierten Zustands entwickeln.


Bei manchen Frauen verändert sich das mikrobielle Gleichgewicht erneut und eine bakterielle Vaginose kann wieder auftreten.


2. Sex und Sperma können das vaginale Milieu beeinflussen


Sperma hat einen höheren pH-Wert als die normalerweise saure Vaginalumgebung. Sex kann deshalb das vaginale Milieu vorübergehend verändern. Bei manchen Frauen kann dies mit einem erhöhten Risiko für eine erneute bakterielle Vaginose verbunden sein.


Das bedeutet aber nicht:

„Mein Partner verursacht meine bakterielle Vaginose.“

Das Zusammenspiel zwischen Sexualverhalten, vaginalem Mikrobiom und wiederkehrender bakterieller Vaginose ist komplex.


3. Auch der Zyklus kann eine Rolle spielen


Das vaginale Milieu verändert sich im Laufe des Menstruationszyklus.

Auch Menstruationsblut kann den vaginalen pH-Wert vorübergehend beeinflussen. Manche Frauen bemerken deshalb Veränderungen des Geruchs oder andere Beschwerden zu bestimmten Zeitpunkten im Zyklus.


Nicht jede Veränderung des Vaginalgeruchs während des Zyklus ist allerdings krankhaft.

Ein veränderter Geruch kann auch Teil normaler körperlicher Veränderungen sein.


4. Die Zusammensetzung der Laktobazillen ist wichtig


Laktobazillen sind nicht einfach eine einzige Bakterienart.

Es gibt verschiedene Arten und Stämme, beispielsweise Lactobacillus crispatus, Lactobacillus jensenii, Lactobacillus gasseri und Lactobacillus iners. Ihre Eigenschaften und ihr Zusammenhang mit vaginaler Gesundheit können sich unterscheiden.


Beispielsweise wird eine von Lactobacillus crispatus dominierte Vaginalflora häufig mit einem stabileren vaginalen Milieu in Verbindung gebracht als eine von Lactobacillus iners dominierte Flora.


Aber: Laktobazillen sind nicht gleich Laktobazillen.

Studien zu oralen und vaginalen Probiotika zeigen interessante Ergebnisse, die Datenlage ist aber weiterhin uneinheitlich. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu vaginalen Laktobazillenpräparaten fand keinen eindeutig gesicherten Effekt auf das Wiederauftreten einer bakteriellen Vaginose.


Deshalb sind Probiotika derzeit kein Ersatz für die Behandlung einer diagnostizierten bakteriellen Vaginose.


5. Hormone können das vaginale Milieu verändern


Auch hormonelle Veränderungen können die Vaginalschleimhaut und das vaginale Mikrobiom beeinflussen.


Das ist insbesondere in der Perimenopause und nach der Menopause relevant. Durch den sinkenden Östrogenspiegel können Vaginalschleimhaut und Gewebe dünner und trockener werden. Es können Brennen, Juckreiz, Reizung, Schmerzen beim Sex und teilweise auch Veränderungen des vaginalen Milieus auftreten. Dieses Beschwerdebild wird als genitourinäres Syndrom der Menopause bezeichnet.


Deshalb ist insbesondere bei Frauen nach der Menopause nicht jeder Juckreiz, jedes Brennen oder jede Veränderung des Ausflusses automatisch ein Scheidenpilz oder eine bakterielle Vaginose.


Warum eine genaue Diagnose so wichtig ist


Geruch, Ausfluss, Juckreiz und Brennen können Hinweise geben – sie reichen aber nicht immer aus, um die Ursache sicher zu bestimmen.


Die Anamnese allein kann bei vaginalen Beschwerden zu Fehldiagnosen führen. Je nach Situation können deshalb eine gynäkologische Untersuchung, die Beurteilung des vaginalen pH-Werts, eine mikroskopische Untersuchung oder gezielte Labortests sinnvoll sein.

Dabei geht es nicht darum, bei jeder Beschwerde möglichst viele Tests zu machen.


Es geht darum, den richtigen Test für die jeweilige Situation auszuwählen.

Das ist besonders wichtig, wenn Beschwerden nach einer Behandlung schnell wiederkommen oder wenn eine Patientin immer wieder auf dieselbe Diagnose und Behandlung zurückgreift, ohne dass die Ursache erneut überprüft wurde.


Wie beeinflusst bakterielle Vaginose Sex und Intimität?


Eine bakterielle Vaginose betrifft nicht nur die Vagina.

Wenn Sie wiederholt Geruch, Reizung oder Schmerzen erlebt haben, kann Intimität zunehmend mit Sorge verbunden sein.


Vielleicht denken Sie:


„Kann mein Partner den Geruch bemerken?“

„Wird es wieder weh tun?“

„Kommt die bakterielle Vaginose danach wieder?“

„Was, wenn er oder sie mich unangenehm findet?“


Diese Gedanken können dazu führen, dass Sie weniger Lust empfinden, sich beim Sex nicht mehr entspannen können oder Intimität vermeiden.


Das bedeutet nicht, dass das Problem „nur in Ihrem Kopf“ ist.

Die körperlichen Beschwerden sind real.

Aber Körper und Psyche beeinflussen sich gegenseitig.


Was kann ich tun, wenn die bakterielle Vaginose immer wiederkommt?


Wenn Beschwerden wiederkommen, sollten Sie nicht automatisch davon ausgehen, dass es erneut eine bakterielle Vaginose ist.


Zusätzlich können Sie Ihr vaginales Milieu möglichst wenig reizen:

  • Vermeiden Sie Vaginalspülungen.

  • Verwenden Sie möglichst keine parfümierten Produkte im Intimbereich.

  • Vermeiden Sie aggressive oder häufige Reinigung der Vulva.

  • Beobachten Sie, ob bestimmte Situationen – beispielsweise der Zyklus oder Sex – zeitlich mit Ihren Beschwerden zusammenhängen.


Wann sollten Sie sich gynäkologisch untersuchen lassen?


Eine gynäkologische Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn:


  • Beschwerden immer wiederkommen

  • Geruch oder Ausfluss ungewöhnlich oder anhaltend sind

  • Juckreiz oder Brennen trotz Behandlung bestehen bleiben

  • Beschwerden kurz nach einer Behandlung zurückkehren

  • Sex neu schmerzhaft geworden ist

  • Sie Unterbauch- oder Beckenschmerzen haben

  • Blutungen nach dem Sex auftreten

  • Sie Blutungen nach der Menopause bemerken

  • sich Haut oder Schleimhaut im Genitalbereich sichtbar verändert

  • Sie nach einer möglichen sexuell übertragbaren Infektion besorgt sind


Gerade Blutungen nach der Menopause oder wiederkehrende Blutungen sollten nicht einfach als vaginale Infektion behandelt werden.


Bei wiederkehrender bakterieller Vaginose oder Schmerzen beim Sex


Bei Oh Yes Baby Yes berät Johanna Janku, MD, Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Spezialistin für Sexualmedizin, ertrauliche und evidenzbasierte Beratungen zu intimen gesundheitlichen Beschwerden an.


Gemeinsam können Sie Ihre Beschwerden, mögliche Ursachen, geeignete Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten besprechen.


Dabei geht es nicht nur um die Frage:

„Wie bekomme ich diese Beschwerden weg?“


Sondern auch um:

„Warum kommen sie wieder?“

und:

„Was brauchen Körper und Sexualität, damit ich mich wieder wohl und sicher fühle?“


Wenn wiederkehrende Beschwerden, Schmerzen, Angst oder Vermeidung Ihre Intimität beeinflussen, kann auch Sexualmedizin und – wenn sinnvoll – Sexualtherapie Teil der Unterstützung sein.

 

Beratungen sind in Zürich und online möglich.. 


vertraulich · evidenzbasiert


Quellen & weiterführende Informationen

  • Centers for Disease Control and Prevention. Bacterial Vaginosis – STI Treatment Guidelines. CDC

  • World Health Organization. Bacterial vaginosis. Fact sheet, 2025. WHO

  • Centers for Disease Control and Prevention. Vulvovaginal Symptoms / Vaginal Discharge – STI Treatment Guidelines. CDC

  • Gao Z et al. Antibiofilm Agents for the Treatment and Prevention of Bacterial Vaginosis. Journal of Infectious Diseases, 2024. PubMed

  • Awasthi Y et al. Lactobacillus Vaginal Tablets in Preventing Recurrence of Bacterial Vaginosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Probiotics and Antimicrobial Proteins, 2026. PubMed

  • American College of Obstetricians and Gynecologists. Disorders of the Vulva: Common Causes of Vulvar Pain, Burning, and Itching. ACOG

  • American College of Obstetricians and Gynecologists. Vulvovaginal Health. ACOG

  • International Society for the Study of Vulvovaginal Disease. Vulvar Lichen Sclerosus. ISSVD

  • Machado A, Cerca N. Influence of Biofilm Formation by Gardnerella vaginalis and Other Anaerobes on Bacterial Vaginosis. Journal of Infectious Diseases, 2015. PubMed




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