STI ohne Symptome? Wann ein STI-Test sinnvoll ist
- Oh Yes Baby Yes

- vor 6 Stunden
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Viele Menschen gehen davon aus, dass sie eine sexuell übertragbare Infektion bemerken würden.
Genau das ist häufig nicht der Fall.
Sexuell übertragbare Infektionen (STIs) gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten – und ihre Zahl nimmt auch in Europa seit Jahren zu.
Gleichzeitig stellen sich viele Menschen dieselben Fragen:
Welcher STI-Test ist für mich sinnvoll?
Reicht ein Abstrich aus oder benötige ich eine Blutuntersuchung?
Wann sollte ich mich testen lassen?
Die Antwort ist nicht immer eindeutig. Denn es gibt keinen einzelnen STI-Test, der alle sexuell übertragbaren Infektionen zuverlässig erkennt.
Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem vom vermuteten Erreger, den Sexualpraktiken, möglichen Beschwerden, dem Zeitpunkt eines Risikokontakts und der persönlichen Situation ab.
Anlässlich eines Interviews mit dem Tages-Anzeiger erklärt D Johanna Janku, Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, warum die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen zunimmt, weshalb viele STIs lange unbemerkt bleiben und warum eine frühzeitige Diagnose so wichtig ist.
In diesem Beitrag erfahren Sie ausserdem,
welche STI-Tests es gibt,
wann Selbsttests sinnvoll sein können,
warum fehlende Symptome eine Infektion nicht ausschliessen
Warum nehmen STI-Fälle in Europa zu?
Nach aktuellen Daten des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) steigen die gemeldeten Fälle bakterieller sexuell übertragbarer Infektionen in vielen europäischen Ländern seit Jahren an.
Seit 2015 wurden unter anderem folgende Entwicklungen beobachtet:
Gonorrhoe (Tripper): Anstieg um mehr als 300 %
Syphilis: Mehr als doppelt so viele gemeldete Fälle
Konnatale Syphilis: Ebenfalls zunehmende Fallzahlen bei der Übertragung während der Schwangerschaft
Für Dr. Johanna Janku gibt es dafür keine einzelne Ursache.
Vielmehr kommen mehrere Entwicklungen zusammen: Heute lassen sich mehr Menschen testen als noch vor einigen Jahren. Dadurch werden Infektionen entdeckt, die früher möglicherweise unbemerkt geblieben wären. Gleichzeitig haben Dating-Apps neue sexuelle Kontakte erleichtert. Auch die grossen Fortschritte in der HIV-Postexpositionsprophylaxe haben das Risikobewusstsein vieler Menschen verändert.
Die steigenden Fallzahlen lassen sich deshalb nicht mit einem einzigen Faktor erklären. Wahrscheinlich spielen eine höhere Testbereitschaft, bessere diagnostische Möglichkeiten und Veränderungen im Sexualverhalten gemeinsam eine Rolle.
Kann man eine STI haben, ohne es zu bemerken?
Ja.
Genau darin liegt eine der grössten Herausforderungen bei sexuell übertragbaren Infektionen.
Wie Dr. Johanna Janku im Interview betont:
„Das Fehlen von Symptomen bedeutet nicht automatisch, dass keine Infektion vorliegt.“
Viele sexuell übertragbare Infektionen verursachen zunächst keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden. Betroffene fühlen sich gesund und wissen häufig nicht, dass sie infiziert sind.
Hinzu kommt, dass ein Erreger nach einem Risikokontakt nicht sofort nachweisbar ist. Je nach Erreger dauert es unterschiedlich lange, bis er mit den verfügbaren Testverfahren zuverlässig nachgewiesen werden kann. Dieser Zeitraum wird als diagnostisches Fenster oder Nachweislücke bezeichnet.
Welche Körperstelle untersucht werden sollte, hängt zudem von den jeweiligen Sexualpraktiken ab. Sexuell übertragbare Infektionen können den Gebärmutterhals, die Vagina, den Penis, die Harnröhre, den Rachen oder den Enddarm betreffen. Gerade Infektionen im Rachen oder Enddarm verursachen häufig keinerlei Beschwerden und bleiben deshalb ohne gezielte Testung oft unentdeckt.
Deshalb gilt:
Ein zuverlässiger STI-Test besteht nicht nur aus dem richtigen Testverfahren, sondern auch aus der richtigen Körperstelle und dem richtigen Zeitpunkt der Untersuchung.
Gleichzeitig gilt: Nicht jede Veränderung im Intimbereich ist eine STI. Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, veränderter Ausfluss oder Reizungen können auch mit dem vaginalen Mikrobiom, hormonellen Veränderungen oder der Intimpflege zusammenhängen.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel: „Intimpflege im Fokus: Zwischen Medienkritik und bewusster Körperverbindung.“
Keine Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass keine Infektion vorliegt
Ob eine STI-Testung sinnvoll ist, hängt nicht nur von Beschwerden ab, sondern vor allem von Ihrer persönlichen Situation – beispielsweise davon,
ob Sie neue Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner haben,
ob ein möglicher Risikokontakt stattgefunden hat,
welche Sexualpraktiken für Sie relevant sind,
ob eine Schwangerschaft oder ein Kinderwunsch besteht oder
ob bereits früher eine STI diagnostiziert wurde.
Ebenso wichtig ist eine Botschaft, die Dr. Johanna Janku ihren Patientinnen und Patienten immer wieder mitgibt:
Eine STI hat nichts mit mangelnder Hygiene, dem eigenen Charakter oder persönlichen Werten zu tun.
Sexuell übertragbare Infektionen sind häufig. Sich testen zu lassen, sollte deshalb als selbstverständlicher Bestandteil der Gesundheitsvorsorge verstanden werden – nicht als etwas, wofür man sich schämen müsste.
Wie häufig eine Testung sinnvoll ist, sollte immer individuell anhand des persönlichen Risikoprofils entschieden werden.
Gleichzeitig gilt:
Nicht jede Veränderung im Intimbereich ist eine sexuell übertragbare Infektion. Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, veränderter Ausfluss oder Reizungen können ebenso durch Veränderungen des vaginalen Mikrobioms, hormonelle Einflüsse oder eine ungeeignete Intimpflege verursacht werden.
Ausblick
Im nächsten Blogartikel stellen wir die wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen einzeln vor und erklären, wie sie übertragen werden, welche Symptome auftreten können, welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Bleiben Sie auf dem Laufenden.
→ Mehr dazu erfahren Sie bald in unserem nächsten Beitrag.
Unsicher, ob ein STI-Test für Sie sinnvoll ist?
Ob Sie Beschwerden haben, nach einem neuen Sexualpartner einen STI-Test in Erwägung ziehen oder Ihr persönliches Risiko besser einschätzen möchten – ein vertrauliches Gespräch mit einer erfahrenen Spezialistin kann Orientierung und Sicherheit geben.
Bei Oh Yes Baby Yes verbindet Dr. Johanna Janku als Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, Fachärztin für Sexualmedizin sowie Sexualtherapeutin evidenzbasierte Medizin mit einer persönlichen, empathischen und wertungsfreien Beratung.
In einem vertraulichen Gespräch unterstützt sie Menschen dabei, ihr individuelles Risiko einzuschätzen und medizinische Fragen rund um die sexuelle Gesundheit zu klären. Frauen begleitet sie zusätzlich gynäkologisch in allen Lebensphasen.
Termine sind in Zürich sowie online möglich.
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Mehr über STIs: Das Interview im Tages-Anzeiger
Dieser Artikel basiert auf dem Interview mit Dr. Johanna Janku im Tages-Anzeiger. Darin spricht sie über den Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen in Europa, symptomlose Krankheitsverläufe und die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose.

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