Menstruationsblut «scoopen»: harmlos, unnötig – oder riskant?
- Oh Yes Baby Yes

- vor 11 Minuten
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«Du scoopst nicht?» – ein viraler Trend sorgt für Diskussionen
Ein TikTok-Video mit mehreren Millionen Views hat in den letzten Wochen für Aufsehen gesorgt:Eine Frau erklärt darin, dass sie während ihrer Periode morgens unter der Dusche mit den Fingern Menstruationsblut aus der Vagina entfernt – sogenanntes «Scooping». Ziel: sich tagsüber weniger mit der Blutung beschäftigen zu müssen.
Die Reaktionen reichen von Entsetzen bis Zustimmung. Viele fragen sich:Ist das unhygienisch? Gefährlich? Oder schlicht eine weitere Form des Periodenmanagements?
Was genau ist mit «Scooping» gemeint?
Wichtig ist eine klare Unterscheidung, denn unter dem Begriff werden sehr unterschiedliche Dinge verstanden:
Vaginales Scooping:Das Entfernen von Blut, das sich bereits in der Vagina befindet – meist mit den Fingern unter der Dusche.
Eingriffe in die Gebärmutter:Das aktive Entfernen der Gebärmutterschleimhaut aus der Gebärmutter (z. B. durch Ausschabung).
Diese Unterscheidung ist medizinisch entscheidend.
Vaginales Scooping: nicht notwendig, aber auch nicht gefährlich
Laut der Einschätzung von Dr. med. Johanna Janku, Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe und Gründerin von Oh Yes Baby Yes, gilt:
Wird lediglich Blut entfernt, das sich bereits in der Vagina befindet, ist das weder notwendig noch gefährlich – vorausgesetzt, es geschieht mit sauberen Fingern.
Das Blut stammt ursprünglich aus der Gebärmutter, passiert den Gebärmutterhals (Zervix) und sammelt sich zeitweise in der Vagina, bevor es abfliesst.Durch das Entfernen kann die Menge des austretenden Blutes kurzfristig reduziert werden.
Was wichtig ist:
Die Dauer der Periode wird dadurch nicht verkürzt
Die Blutung wird nicht gestoppt
Es entsteht kein medizinischer Nutzen
In dieser Hinsicht ist Scooping vergleichbar mit der Nutzung eines Tampons oder anderer intravaginaler Menstruationsprodukte.
Warum fühlen sich manche damit «sauberer»?
Das Bedürfnis nach Sauberkeit während der Periode ist gesellschaftlich stark geprägt.Viele Menschen empfinden Blut im Vaginalbereich als unangenehm – nicht aus medizinischen, sondern aus kulturellen Gründen.
Scooping kann subjektiv das Gefühl von Kontrolle oder Frische vermitteln. Medizinisch notwendig ist es jedoch nicht.
Wo es kritisch wird: Eingriffe in die Gebärmutter
Problematisch – und klar abzulehnen – sind Praktiken, die auf ein Entfernen der Gebärmutterschleimhaut abzielen.
Die sogenannte Kürettage (Ausschabung) ist ein medizinischer Eingriff, der:
nur bei klarer Indikation erfolgt
unter sterilen Bedingungen
meist unter kurzer Narkose
Einsatzgebiete sind unter anderem starke Blutungsstörungen, diagnostische Abklärungen oder Situationen nach einer Fehlgeburt.
Ein regelmässiger Eingriff zur «Beendigung der Periode» ist keine harmlose Option, sondern hochriskant.
Mythos Monats-Kürettage: Warum das gefährlich ist
In sozialen Medien kursiert die Behauptung, man könne durch monatliche Ausschabungen die Menstruation dauerhaft verhindern.Medizinisch ist klar:
Das Risiko für Infektionen wäre hoch
Regelmässige Antibiotika wären notwendig
Es besteht die Gefahr des Asherman-Syndroms
Dabei handelt es sich um Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle, die:
eine Einnistung verhindern
zu Unfruchtbarkeit führen können
Ein solcher Eingriff aus Lifestyle-Gründen ist medizinisch nicht vertretbar.
Unser Fazit
Vaginales Scooping mag für manche ein persönliches Ritual sein – es ist weder notwendig noch gefährlich, solange es hygienisch erfolgt. Einen gesundheitlichen Vorteil bietet es jedoch nicht.
Eingriffe in die Gebärmutter hingegen sind kein Periodenmanagement, sondern medizinische Massnahmen mit klaren Risiken.
Wenn deine Periode stark belastend ist, gilt:Es gibt sichere, begleitete Wege – aber keine Abkürzungen ohne Konsequenzen.
Über Oh Yes Baby Yes
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„Fragen zu Zyklus oder Menstruation? – Ärztlich begleitet Klarheit finden“
Mehr zur Einordnung von Dr. med. Johanna Janku im 20-Minuten-Interview





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